
Mir scheint als haben die Print-Medien DIY als Thema entdeckt. Die Spannbreite der Zeitungen die in den letzten Tagen darüber geschrieben haben reicht von der linken Wochenzeitung „jungle-world“ bis zur Zeitschrift der Neuen Zürcher Zeitung „Folio“. Gespannt stürze ich mich auf jeden Artikel der mir unter die Finger kommt, doch leider bin ich immer wieder auf ein Neues enttäuscht wie DIY dort gesehen und dargestellt wird.
Die einen führen eine Debatte (wie schon im letzten Beitrag erwähnt 1 vs. 2) über das Wirtschaftspotenzial des Selbermachens und ob es einem linken Anspruch gerecht wird. Die anderen schwärmen vom Glück des Heimwerkens zwischen Baumarkt, Autotuning und der Erfolgsgeschichte des Dübels.
Die Texte sind gut, nett und zielgruppengerecht. Um Kleinigkeiten wird sich nicht groß gekümmert und man verwurstet das Thema im schnellen Rhythmus des wöchentlich wechselnden Blattinhaltes: „Ein unverbrauchtes und doch altes Thema mit dem jeder was anfangen kann? Ach komm, schreib irgendetwas drüber!“
Ist ja okay, das Problem ist nur, die Ansätze greifen viel zu kurz!
Die Beschreibungen sind alle mehr oder weniger spannend, aber sie belassen es bei der Darstellung von Oberflächigkeiten. Nicht der Verkauf, nicht der Baumarkt oder das Tuning, sondern das SELBERMACHEN ist der Kern.
Selbst in Aktion treten, eine Idee weiter entwickeln, sich einen Plan überlegen, dem Drang der Umsetzung folgen, das Projekt in die Tat umsetzen und sich dabei auch irgendwie selbst verwirklichen, auf das kommt es an!
Finanzielle Aspekte, zum Beispiel beim Hausbau oder beim Kleinstauflagenverkauf, können hinzukommen, müssen es aber nicht zwingend. Vielmehr wird oftmals, wie beim Tuning oder Stricken, ordentlich Geld für das Material ausgegeben ohne einen finanziellen Gewinn dadurch zu haben. Das Gefühl etwas wirklich selbst geschaffen, etwas in dieser Form einmaliges gemacht zu haben und den „Lohn“ der Anstrengung zu ernten, das ist es den DIYlern wert. Ob der Lohn dabei durch einen Verkauf auf den zahlreichen online Marktplätzen, einen Preis beim Tuningtreffen, ein politisches Statement, ein Feierabendbier beim Hausbau oder einen anerkennenden Blick erfolgt, ist so unterschiedlich wie egal. Ein einheitliches Ziel für eine solch unterschiedliche Gruppe zu formulieren ist schwierig. Was die DIYler aber eint, ist die Aktion des Selbermachens und deshalb muss auch jede Analyse bis zu diesem Kern vordringen. Es geht weniger um den Inhalt, den verwendeten Werkstoff, um das verwendete Verfahren, die Ökonomie oder das Gebiet in dem man etwas selber macht, es geht um das SELBERMACHEN an sich! Die NZZ-Folio Redaktion deutet das manchmal an, wenn die Passion für Flugzeuge oder die Kreativität beim Stricken erwähnt wird. Insgesamt schrammt sie aber auch am Kern vorbei.
Leider kann man im Internet schlecht etwas selber anmalen, weshalb die NZZ-Folio vielleicht auch darauf verzichtet hat drei Zeichnungen aus der Print-Version online zu stellen. Schade, sie auszumalen und kreativ etwas selber zu machen hätte mehr über DIY ausgesagt, als man in vielen Artikeln darüber lesen kann.
1 Kommentar
15. Mai 2009 um 12:08
wie wahr.
Es gibt nichts besseres, als das „hab ich selbst gemacht“ mit dem Supergrinsen dazu.