Hui, schon wieder macht das Selbermachen Schlagzeilen.
Der Focus nimmt sich diese Woche dem Thema „Glück, selbst gemacht“ an (Nr.23, 30. Mai 2009). Der Beitrag „Glück, Marke Eigenbau“ hat mich mit der Berichterstattung (sagt man das so?) wieder versöhnt. Zwar geht es weniger wie der Titel vermuten lassen könnte, um den ökonomischen Aspekt à la „Marke Eigenbau“, dafür wird die motivational-emotionale Seite jenseits des Gelderwerbs betrachtet. Einen solchen Blickwinkel habe ich bislang vermisst, obwohl er für das Selbermachen ganz entscheidend ist. Egal ob damit Geld verdient wird oder nicht, durch das Selbermachen erlebt man Glück. Auf das fette Supergrinsen kommt’s drauf an!
Vielleicht wäre es sinnvoll Anleitungen nicht nur in Schwierigkeitsgrade einzuteilen, sondern auch mit einem Schokoladentafelglücksumrechenfaktor zu belegen. Regal bauen = 2 Tafeln, T-Shirt sprayen = 4 Tafeln, Roboteraugen blinken lassen = 3 Tafeln Mmm könnte doch schwieriger werden als gedacht. Der Umrechenfaktor ist ja zwischen den Selbermachern völlig unterschiedlich. Da müsste vielleicht mal jemand einen Schokoladentafelglücksumrechenfaktorgenerator entwickeln…
Oh, ich bin abgeschweift, zurück zum Text!
Habt ihr den Beitrag gelesen? Ist euch das Maslow Argument „Selbermachen als Selbstverwirklichung“ aufgefallen? Ob die Autoren Blog-Kommentare lesen weiß ich nicht. Klar ist auch, dass da jeder auch selbst drauf kommen kann. Falls ihr aber nicht genau kapiert habt was damit gemeint ist, dann dürft ihr gerne die Kommentare von rbt und mir über die Maslowsche Bedürfnispyramide durchlesen und bitte ebenfalls weitere Gedanken posten!
Eine andere Textstelle finde ich aber noch spannender. Bei mir hat es ordentlich gerattert, als ich das hier gelesen habe:
“Allein das konzentrierte Tun und das Bemühen, ein Werkstück optimal zu gestalten, entfaltet eine segensreiche Wirkung – nicht nur auf das Individuum, sondern auf die Gesellschaft.”
Zwar habe ich noch nicht das darauf bezogene Buch „Handwerk“ von Richard Sennett gelesen, aber das Zitat könnte auch direkt aus der Feder eines Pädagogen mit dem Namen Kerschensteiner stammen. Ist zwar jetzt nicht weiter wichtig, aber ich möchte euch diese Info nicht vorenthalten.
Der Mann war als Reformpädagoge Anfang des 20.Jahrhunderst aktiv und richtete in München so genannte „Arbeitsschulen“ ein. In den Schulen sollten die Schüler durch die Sachlichkeit der Arbeit, also dem konzentrierten Tun und das Bemühen, ein Werkstück optimal zu gestalten, in ihrem Charakter eine segensreiche Wirkung erfahren. Labor-, Werkstatt-, Garten- und Gruppenarbeit sollten die Schüler zum tugendhaften Staatsbürger erziehen. Seine Gesamtvorstellung mag einem konservativen Gesellschaftsmodell entsprechen. Andere Arbeitspädagogen wie Gaudig oder Blonskij hatten da andere Vorstellungen. Wie auch immer. Den Gedanke von Sennett muss ich weiter verfolgen. Danke an den Focus für diesen neuen Impuls!
Ende.
P.S.: Wer macht mit bei einem Zine über DIY?
(hat tip weitergebend an bausteln)




) vermisse ich ebenfalls interessante Vorträge, Filme, Tipps, Tricks und Tracks.

